Nebenjobs in Echtzeit finden | Hire Me Enterprise

Nebenjobs in Echtzeit finden

Die Hire Me Gründer Sebastian Hof (CEO), David Poetzsch-Heffter (CTO) und Jennifer Moseler (CMO)

Vor allem Studenten kennen das: Am Ende des Geldes ist noch zu viel Monat übrig und kurzfristig muss ein neuer Job her. Für dieses Problem haben Informatiker der Saar-Uni eine Lösung gefunden. Die App Hire Me bringt Jobsuchende und Anbieter zusammen – und das in Echtzeit.  

(24.11.2015) „Als ich vor einem Jahr über den Uni-Campus ging, sind mir die vielen Litfaßsäulen aufgefallen, auf denen ganz viele Jobangebote und Gesuche standen. Es war fast unmöglich den Überblick zu behalten“, erläutert Informatiker Sebastian Hof. Gemeinsam mit seinem Studienkollegen David Poetzsch-Heffter hat er deshalb die App Hire Me entwickelt.

Das Ziel: Jobanbieter und Jobsuchende möglichst schnell und unkompliziert zusammenbringen. Dabei stehen vor allem Schüler und Studenten im Fokus, die kurzfristig einen Nebenjob suchen. „Das Besondere an unserer App ist die extrem kurze Vermittlungszeit. Aktuell beträgt die durchschnittliche Bewerbungsrate fünf Minuten. Das bedeutet, dass eine Bar oder ein Eventveranstalter beispielsweise für denselben Abend kurzfristig noch eine Hilfskraft anheuern kann“, erklärt Hof.

Anmelden und bewerben

Das Miniprogramm ist seit September bei Google Play und in Apples App Store kostenlos verfügbar. Nach der Installation erfolgt die Registrierung mit einer Emailadresse oder per Facebook-Account. Dann fällt die Entscheidung: Jobs suchen oder anbieten? Für Suchende gibt es neun unterschiedliche Kategorien. Von Gastronomie, über Event und Promotion, von Betreuung über Reinigung bis hin zu Büro und IT. Zudem gibt es weitere Filteroptionen. So kann der Nutzer angeben, an welchem Wochentag er arbeiten kann und in welcher Stadt.

Von Babysitting bis Weihnachtsmann

Entsprechend dieser Einstellungen zeigt die App Inserate von Anbietern an: Flyer auslegen, Gaderobendienste oder adventszeitspezifische Auftritte als Nikolaus oder Weihnachtsmann. Auf den ersten Blick sind dabei Anbieter, Regelmäßigkeit der Tätigkeit und Bezahlung zu erkennen. Innerhalb von zwei Klicks ist die Bewerbung raus. Im Prinzip ist Hire Me ein geschlossenes soziales Netzwerk à la Facebook für kurzfristige Jobsuchende. „Das gegenseitige Bewerten und das verbindliche Bewerben und Zusagen mit einem Klick gibt es in dieser Geschwindigkeit bei anderen Portalen nicht“, berichtet Hof.

Insgesamt macht die App einen übersichtlichen Eindruck. Bedienung und Aufbau sind intuitiv. Die mit Abstand meisten Inserate finden sich im Ballungsgebiet um Saarbrücken. In ländlichen Regionen wie im Hochwald sind Inserate dünn gesät.

Ziel: Deutschlandweite Verbreitung

„Seit der Veröffentlichung der App im September haben wir rund 1000 aktive Nutzer – vor allem aus dem Bereich Saarbrücken“, sagt Hof, der das größte Problem zum Start der App auf typisch saarländische Art löste: „Am Anfang haben wir gezielt den Kontakt zu Eventagenturen und Bars im Großraum Saarbrücken gesucht. Wir haben unsere App vor Ort vorgestellt. Die Meisten fanden die Idee gut und haben daraufhin Inserate über unsere App geschaltet.“

In näherer Zukunft sind bereits Gespräche mit dem deutschen Gastronomieverband geplant. Das könnte die Reichweite der App enorm erhöhen. Und damit wäre die größte Hürde für eine Expansion genommen. „Das Saarland ist zum Start ein sehr guter Testmarkt, aber in dicht besiedelten Ballungsräumen wie Frankfurt oder München ist das Potenzial nochmals deutlich höher“, erläutert Hof. Das Saarland soll nur der Anfang sein. 2016 soll Hire Me deutschlandweit durchstarten. Dafür benötigen die Erfinder Poetzsch-Heffter und Hof Investoren.

Exist-Stipendium hilft bei Firmengründung

Nach ihrem Informatikstudium an der Universität des Saarlandes haben die Beiden das Unternehmen Twail gegründet. Über die Firma vermarkten sie ihr Produkt. Finanziell unterstützt werden sie seit Juli durch das Exist-Stipendium des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. „Der bürokratische Aufwand für das Stipendium war sehr hoch. Dafür haben wir jetzt aber auch ein Jahr lang den Lebensunterhalt gesichert und zusätzlich noch einen Geldtopf, den wir speziell für Hardware verwenden können. Durch das Stipendium können wir uns voll auf unsere App konzentrieren“, erläutert Hof.

Start-up aus Uni-Umfeld

In ihrem 13 Quadratmeter kleinem Büro im Starterzentrum der Universität brüten die zwei Informatiker über Verbesserungsmöglichkeiten. Zum Team des Start-ups zählt auch Jennifer Moseler, die sich um Vertrieb und Marketing kümmert. Ein entscheidender Aspekt, um die App in Deutschland zu etablieren.

Denn sowohl die Entwickler als auch mögliche Investoren wollen mittelfristig Geld mit der App verdienen. Ein Grundsatz soll aber unangetastet bleiben, erklärt Hof: „Für Jobsuchende bleibt die App kostenlos.“ Aktuell sind die ersten fünf Inserate für Anbieter umsonst. Ab dem sechsten Inserat kostet jedes weitere 99 Cent. „Wir konzipieren gerade ein Abomodell. Die Anbieter erhalten dafür eine professionelle Webverwaltung und können unbegrenzt Inserate schalten. Das Abo wird ca. 50 Euro pro Monat kosten“, sagt Hof.

Saar-Uni unterstützt Jung-Unternehmer

Das Twail-Team glaubt an seine Idee – genau wie die Universität: „Die Uni hat uns von der ersten Sekunde an unterstützt. Vor allem in der Zeit, als die Abschlussarbeiten und der Unternehmensstart zusammenfielen. Großes Lob dafür“, so Hof. Nach dem verheißungsvollen Start der App im Saarland suchen die beiden Entwickler für die deutschlandweite Expansion jetzt einen Investor. Aktuell arbeiten sie deshalb an einem dezidierten Businessplan für die kommenden Jahre – das dürfte deutlich länger als die Jobvermittlung ihrer App.

(Peter Sauer)

Quelle: www.sr.de/sr/home/nachrichten/panorama/hire_me_app_nebenjobs100.html

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am 25.08.2015, um 12:43 Uhr