Scheinselbstständigkeit kann teuer werden – zumindest für den Auftraggeber | Hire Me Enterprise

Scheinselbstständigkeit kann teuer werden – zumindest für den Auftraggeber

Taschenrechner - Konsequenzen für Scheinselbstständige

Konsequenzen für Scheinselbstständige und deren Auftraggeber

Wer vertraglich als selbstständig bezeichnet wird, aber den tatsächlichen Gegebenheiten nach als Arbeitnehmer im Beschäftigungsverhältnis agiert, ist scheinselbstständig. Worum es sich bei der Scheinselbstständigkeit genau handelt und wie man diese erkennen kann, behandeln wir hier. Doch welche Konsequenzen entstehen für die beteiligten Parteien, also den Scheinselbstständigen und den Auftraggeber bei negativem Ergebnis einer Prüfung?

Konsequenzen für den bisherigen Auftraggeber:

  • Der Auftraggeber wird nun als Arbeitgeber betrachtet. Er muss die Sozialversicherungsabgaben, die er eigentlich für den Scheinselbstständigen seit Beginn des Beschäftigungsverhältnisses hätte zahlen müssen, zurückzahlen. Die Rückzahlung beschränkt sich hierbei auf die zurückliegenden 4 Jahre.
  • Klagt der Scheinselbstständige seinen Arbeitnehmerstatus bei einem Arbeitsgericht ein und erhält Recht, ist der Scheinselbstständige nun ein Arbeitnehmer, dem auch entsprechende Rechte, wie z.B. Kündigungsschutz, zugesprochen werden können. 
  • Lohnsteuernachzahlungen, wenn das Finanzamt diese einfordert.
  • Die ausgewiesene Umsatzsteuer auf den Rechnungen des Scheinselbstständigen ist ungültig. Der damit einhergehende Vorsteuerabzug durch den ehemaligen Auftraggeber war somit unzulässig und die Vorsteuerbeträge müssen zurückgezahlt werden. War der Scheinselbständige als Kleinunternehmer tätig, wie es bei Studenten oftmals der Fall ist, wird auf der Rechnung keine Umsatzsteuer ausgewiesen und es muss auch keine Umsatzsteuer vom ehemaligen Auftraggeber gezahlt werden.
  • Kann Vorsatz nachgewiesen werden, sind auch teure Bußgelder, Gefängnisstrafen und Rückzahlungsforderungen bis zu 30 Jahre möglich.

Konsequenzen für den Scheinselbstständigen:

  • Verlust des Status als Selbstständiger. Der vormals Selbstständige wird zum Arbeitnehmer, wenn er den Status beim Arbeitsgericht einklagt.
  • Anrecht auf alle Rechte, die einem Mitarbeiter gewährt werden (Kündigungsschutz, Urlaubsanspruch, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und Zahlung eines Nettogehalts in Höhe der bisherigen Vergütung).
  • Abzug der Sozialversicherungsbeiträge der vergangenen drei Monate vom zukünftigen Nettolohn durch den Arbeitgeber.
  • Pflicht zur Abmeldung des Gewerbes beim Gewerbeamt.
  • Keine Mitgliedschaft mehr in der Industrie- und Handelskammer.

Zusammenfassung:

 Konsequenzen für den bisherigen Auftraggeber:

 Konsequenzen für den Scheinselbständigen:

Rückzahlung von Sozialversicherungsbeiträgen

Verlust des Status als Selbstständiger

Ggf. Lohnsteuernachzahlungen

Ggf. Einräumung von Mitarbeiterrechten

Unzulässige Vorsteuerabzüge müssen zurückgezahlt werden

Abzug der Beiträge zur Sozialversicherung der letzten drei Monate vom zukünftigen Nettolohn

Ggf. Einräumung von Mitarbeiterrechten für den bisher Selbstständigen

Pflicht zur Gewerbeabmeldung

Bei Vorsatz sind hohe Geldbußen, Gefängnisstrafen und Rückzahlungsforderungen möglich

Verlust der Mitgliedschaft bei der IHK


Was haltet Ihr von den Regelungen? Sind diese angebracht? Diskutiere mit uns.

Autor

erstellt von Jennifer Moseler

am 16.02.2016, um 09:13 Uhr

CMO & Gründerin; sportlich und zielstrebig aber ein echter Teamplayer :)